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Schülergewinnung

Was ein leerer Stuhl eine freie Schule wirklich kostet

Benjamin Müller, September 2026, zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2026. 5 Minuten Lesezeit.

In fast jedem ersten Gespräch mit einer Schulführung kommt der Satz irgendwann: „Wir haben eigentlich Platz.“ Manchmal ist es eine Oberstufenklasse mit acht Jugendlichen. Manchmal fehlen über alle Stufen hinweg dreißig Kinder.

Und fast immer wird das Thema als eines von vielen behandelt, irgendwo zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Tag der offenen Tür. Ein Blick auf die Zahlen legt eine andere Einordnung nahe.

Die Rechnung, die selten aufgemacht wird

Eine freie Schule finanziert sich im Wesentlichen aus zwei Quellen: dem staatlichen Zuschuss pro Schüler und dem Elternbeitrag. Rechnen wir als grobes Beispiel für Baden-Württemberg mit rund 1.000 Euro pro Kind und Monat für beides zusammen. Jede Schule kennt ihre eigene Zahl.

Ein Kind, das eingeschult wird und bleibt, steht in diesem Beispiel über zehn Jahre für ungefähr 100.000 bis 120.000 Euro.

Die Kosten der Schule verändern sich dadurch kaum. Der Klassenraum ist da, die Lehrkraft ist da, die Heizung läuft. Ob dreiundzwanzig oder achtundzwanzig Kinder darin sitzen, ändert an den Fixkosten fast nichts.

Warum die Lücke sich selbst vergrößert

Fehlende Schüler führen zu Defiziten. Defizite führen zu Sparzwang. Sparzwang trifft zuerst das, was nicht unmittelbar unterrichtsrelevant erscheint, und das ist häufig genau die Arbeit, mit der man neue Familien erreichen würde.

In den Gesprächen mit Schulführungen begegnet uns diese Spirale regelmäßig. Dann wird darüber gesprochen, ob man sich Anzeigen leisten kann, die übers Jahr einen Bruchteil des Defizits kosten.

Das ist verständlich, wenn man Ausgaben nach Höhe sortiert. Es wird schwierig, wenn man sie nach Wirkung sortiert.

Die Größenordnung im Verhältnis

Eine Kampagne zur Schülergewinnung an der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall lief etwa einen Monat. 538 Menschen kamen auf die Seite für Familien, 32 Familien meldeten sich von sich aus.

Man muss nicht optimistisch rechnen. Wenn aus diesen 32 Familien ein einziges Kind kommt, das die Schulzeit über bleibt, steht es im Beispiel oben für 100.000 bis 120.000 Euro. Ein Monat Anzeigen kostet einen kleinen Bruchteil davon.

Die Rechnung ändert die Frage. Aus „Können wir uns das leisten?“ wird „Was kostet es uns, den Platz weitere zwei Jahre leer zu lassen?“

Was die Zahlen nicht sagen

Zahlen sind hier ein Hilfsmittel. Familien gewinnt eine Schule, weil es Kinder gibt, denen dieser Weg guttäte, und Eltern, die noch nicht wissen, dass es ihn gibt.

Die Rechnung hilft an einer einzigen Stelle: Sie räumt das Argument aus, man könne sich die Arbeit an dieser Frage nicht leisten.

Geschrieben von Benjamin Müller, Gründer von BM Wachstum und selbst Vater an einer Waldorfschule. Zahlen aus Kampagnen stammen aus Projekten, die wir selbst begleitet haben. Rechenbeispiele sind als solche gekennzeichnet.

Und wie sieht das bei euch aus?

Im Lagebild seht ihr eure Lage, drei mögliche Wege und was sie kosten. Einer davon kommt ohne uns aus. Den Fragebogen füllt ihr in rund drei Minuten aus.

Oder ruft an: +49 7903 8324993