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Was ein leerer Stuhl eine freie Schule wirklich kostet

SchülergewinnungSeptember 20265 Minuten Lesezeit

In fast jedem ersten Gespräch mit einer Schulführung kommt der Satz irgendwann: „Wir haben eigentlich Platz.“ Manchmal ist es eine Oberstufenklasse mit acht Jugendlichen. Manchmal fehlen über alle Stufen hinweg dreißig Kinder.

Und fast immer wird das Thema als eines von vielen behandelt — irgendwo zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Tag der offenen Tür. Ein Blick auf die Zahlen legt eine andere Einordnung nahe.

Die Rechnung, die selten aufgemacht wird

Eine freie Schule finanziert sich im Wesentlichen aus zwei Quellen: dem staatlichen Zuschuss pro Schüler und dem Elternbeitrag. In Baden-Württemberg liegt die Summe beider Posten in der Größenordnung von rund 1.000 Euro pro Schüler und Monat.

Ein Kind, das eingeschult wird und bleibt, steht damit über zehn Jahre für ungefähr 100.000 bis 120.000 Euro.

Die Kosten der Schule verändern sich dadurch kaum. Der Klassenraum ist da, die Lehrkraft ist da, die Heizung läuft. Ob dreiundzwanzig oder achtundzwanzig Kinder darin sitzen, ändert an den Fixkosten fast nichts.

Warum die Lücke sich selbst vergrößert

Fehlende Schüler führen zu Defiziten. Defizite führen zu Sparzwang. Sparzwang trifft zuerst das, was nicht unmittelbar unterrichtsrelevant erscheint — und das ist häufig genau die Arbeit, mit der man neue Familien erreichen würde.

In den Gesprächen mit Schulführungen begegnet uns diese Spirale regelmäßig. Eine Schule mit einem Jahresdefizit im sechsstelligen Bereich diskutiert, ob sie sich ein Mediabudget von wenigen hundert Euro im Monat leisten kann.

Das ist verständlich, wenn man Ausgaben nach Höhe sortiert. Es wird schwierig, wenn man sie nach Wirkung sortiert.

Die Größenordnung im Verhältnis

Eine Kampagne zur Schülergewinnung an der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall lief etwa einen Monat mit rund 900 Euro Mediabudget. 538 Menschen kamen auf die Informationsseite, 32 Familien nahmen aktiv Kontakt auf.

Man muss nicht optimistisch rechnen, um zu sehen, wie sich das verhält: Wenn aus diesen 32 Gesprächen ein einziges Kind hervorgeht, das die Schulzeit über bleibt, hat es die Kampagne um ein Vielfaches getragen.

Das ist kein Argument dafür, Geld auszugeben. Es ist ein Argument dafür, die Frage anders zu stellen: nicht „Können wir uns das leisten?“, sondern „Was kostet es uns, den Platz weitere zwei Jahre leer zu lassen?“

Was die Zahlen nicht sagen

Zahlen sind hier ein Hilfsmittel, kein Motiv. Keine Schule sollte Familien gewinnen, weil sich das rechnet. Sie sollte es tun, weil es Kinder gibt, denen dieser Weg guttäte, und Eltern, die noch nicht wissen, dass es ihn gibt.

Die Rechnung hilft an einer einzigen Stelle: Sie räumt das Argument aus, man könne sich die Arbeit an dieser Frage nicht leisten.

Geschrieben von Benjamin Müller. Die genannten Zahlen stammen aus Kampagnen, die wir selbst begleitet haben.

Wenn euch das anspricht, schreibt einfach zurück.

Eine Zeile reicht. Wir schauen dann gemeinsam, ob und wie wir helfen können — und wenn es nicht passt, sagen wir das auch.