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Eine Kampagne, die das Kollegium mitträgt

ZusammenarbeitSeptember 20265 Minuten Lesezeit

Eine Geschäftsführerin einer Waldorfschule hat es einmal so gesagt: „Das Kollegium tut sich schwer damit, einen Chef zu haben, sagen wir es mal so.“

Der Satz beschreibt eine Struktur, die für Dienstleister von außen zunächst unbequem wirkt. Entscheidungen brauchen Zeit. Sie gehen durch Konferenzen, Vorstand, manchmal Schulrat. Wer das als Reibung behandelt, die man wegoptimieren müsste, hat die Sache falsch verstanden.

Warum Tempo hier das falsche Ziel ist

Die übliche Reaktion einer Agentur auf langsame Entscheidungswege lautet: Druck aufbauen. Fristen setzen, Knappheit erzeugen, dem Entscheider einen Grund geben, jetzt zu unterschreiben.

An einer selbstverwalteten Schule ist das der zuverlässigste Weg, ein Projekt zu beerdigen. Nicht weil die Menschen dort besonders empfindlich wären, sondern weil Druck von außen in einem Kollegium sofort als das gelesen wird, was er ist.

Der zweite Grund ist praktischer: Eine Geschäftsführung, die ein Projekt gegen ihr Kollegium durchsetzt, bekommt es später nicht mitgetragen. Und ohne das Kollegium gibt es keine Gespräche, keine Bilder, keine Wahrheit in der Ansprache.

Was eine Schulführung tatsächlich braucht

Wer in einer Schule ein Vorhaben einbringt, steht nicht allein vor der Frage, ob er es gut findet. Er steht vor der Aufgabe, es einer Runde zu erklären, in der jemand sitzt, der Werbung grundsätzlich für einen Irrweg hält.

Was in dieser Situation hilft, ist selten ein Angebot. Es ist Material, das man weitergeben kann: eine Beschreibung, die auch dann trägt, wenn man selbst nicht daneben steht und nachschiebt.

Deshalb liefern wir vor jeder Entscheidung etwas, das vorlagefähig ist — was gemacht wird, was es kostet, was die Schule dafür tun muss, und wo die Grenzen liegen. Wer eine Entscheidung vorbereitet, braucht auch die Gegenargumente.

Der unerwartete Vorteil

Eine Kampagne, die durch ein Kollegium gegangen ist, ist fast immer besser als eine, die es nicht musste.

In den Gesprächen, die dafür nötig sind, kommen Dinge zur Sprache, die eine Schulführung allein nie erzählt hätte. Der Konflikt, der vor drei Jahren war und den man ehrlicherweise erwähnen sollte. Der Satz einer Kollegin darüber, warum sie geblieben ist. Die Sache mit dem Werkraum, die alle für selbstverständlich halten und die für jemanden von außen der Grund sein könnte, zu kommen.

Aus solchen Sätzen entsteht eine Ansprache, die sich echt anfühlt. Kein Texter erfindet so etwas.

Woran man merkt, dass es trägt

Es gibt ein einfaches Zeichen. Wenn eine Kampagne online geht und Menschen aus dem Kollegium sie von sich aus teilen, ist die Arbeit im Vorfeld richtig gelaufen.

Wenn niemand sie teilt, ist sie vielleicht technisch in Ordnung — aber sie gehört der Schule nicht.

Geschrieben von Benjamin Müller. Die genannten Zahlen stammen aus Kampagnen, die wir selbst begleitet haben.

Wenn euch das anspricht, schreibt einfach zurück.

Eine Zeile reicht. Wir schauen dann gemeinsam, ob und wie wir helfen können — und wenn es nicht passt, sagen wir das auch.